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Ortsbürgermeister
Herr Kurt Görisch
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Die Erdgräber von Hohen-Sülzen
Einen Abbau von Sand und Lehm gab es wohl schon seit Hunderten von Jahren zu Bauzwecken.
In verschiedenen Archiven konnten von mir nur wenige Dokumentationen zu bergbaulichen Aktivitäten in Hohen-Sülzen gefunden werden, weil Kaolin und Ton gemäß Gesetz einen Bodenschatz darstellte, welcher dem Grundeigentümer gehörte.
Ein erstes Dokument hierüber stammt vom Oktober 1832. Konrad Keil verstarb »8 Jahr und sechs Monat alt in dem Sandkaut von Meng hinter der Kirche.«
Nach 1860 wurden dann in Hohen-Sülzen mehrere Erdkauten im Tagebau betrieben.
In den verschiedenen Gruben, welche bis zu 12 Meter tief waren, wurde Tonerde/Porzellanerde (Kaolin), Klebsand und Lehm gefördert.
Die Tonerde/Porzellanerde wurde aufgrund besonderer Qualität (»blaue Porzellanerde«) bis nach Meißen zur Porzellanherstellung geliefert. Die Firma Villeroy und Boch war damals auch schon mit im Geschäft. Außerdem wurde der teure Rohstoff nach Delft zur Herstellung von Kacheln, etc. versandt.
In Hessen war die Keramik- und Porzellanmanufaktur in Wächtersbach Hauptabnehmer der Rohstoffe. Die Fabrik existiert heute noch.
Klebsand (Quarzsand) ist feuerfest und wurde unter Anderem, vermischt mit Pferdedung, zur Herstellung von Gußformteilen benötigt.
Aus Lehm wurden Ziegelsteine hergestellt, zunächst nur luftgetrocknet (»Lahmesto«).
Ab ca. 1866 gab es dann eine Feldbacksteinbrennerei von Johannes Sitzler und Friedrich Feickert außerhalb des Ortes an der Straße nach Pfeddersheim gelegen.
Die Erdgräberei wurde im Wesentlichen von folgenden Hohen-Sülzer Familien betrieben:
Mundorff, Keil, Sitzler, Dörrschuck, Meng und Feickert.
Familie Meng betrieb eine Sand- und Erdkaute bis 1871 und belieferte eine Fabrik in Kaiserslautern. Johannes Heppes hat um 1872 Klebsand im »Zerrweg« abgebaut.
Es waren bis zu 100 Männer gleichzeitig in verschiedenen Gruben beschäftigt. Aus Nachbarorten und der Pfalz wurden regelmäßig Männer zeitverpflichtet. Diese schwere Arbeit wurde mit wenigen Hilfsmitteln durchgeführt. Arbeitspferde haben die Loren auf Feldschienen nach oben gezogen. Ab 1873 konnte über den neu gebauten »Ludwigsbahnhof« das Material verfrachtet werden.
Die Arbeit war gefährlich. Am 27. April 1870 kamen in der Erdkaute von Dörrschuck, Philipp Schmitt, 15 Jahre alt und Johannes Martin, 17 Jahre alt, ums Leben. Sie verunglückten, weil sie durch herabfallende Erdschichten begraben wurden. Dieses Ereignis führte offensichtlich zu einer Anordnung des Kreisbauamtes Worms 1872.
Die Grubenbetreiber mussten nun ab 10 Fuß Tiefe (ca. 2,5m), einen horizontalen Absatz von je 5 Fuß Breite schaffen.
Es gibt Dokumente für Gruben ab 1870 an die Herren Villeroy und Boch, Fabrikbesitzer in Mettlach, den Grubenbetrieb des Christoph Sitzler 1876, sowie über die Tongrube des Friedrich Keil 1903.
1907 gab es zur Sicherung der Feldwege eine Revision der Tongruben. Das Großherzogliche Kreisamt beauftragte die Großherzogliche Bürgermeisterei Hohensülzen mit 3-Tage Frist, Bericht zu erstatten, »ob unseren Auflagen Folge geleistet ist.«
Die letzte Grube von Familie Keil wurde um 1927 wegen teurer Auflagen der zuständigen Behörden geschlossen.
In Gruben im Bereich des Geisberg wurden in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts Kleinwirbeltierreste, vor allem Zähne, aus dem Pliozän (vor ca. 2-5 Millionen Jahren) gefunden.
Quellen:
Stadtarchiv Worms 235/0544 und 235/343
Personenstandsarchiv Monsheim
Landesamt für Geologie und Bergbau Mainz
Geologisch- Paläontologisches Institut Hamburg
Briefe aus H.-S. an den Auswanderer Karl Meng in Neuseeland
Berichte von Hohen-Sülzer Alten
Stand 12/2011 | Klaus Nasterlack



